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Die Heilige Schrift


Es wird allgemein gesagt, das Wort sei von Gott; es sei von Gott eingegeben und daher heilig; dennoch aber hat man bisher nicht gewusst, wo in ihm das Göttliche liegt; denn das Wort erscheint im Buchstaben wie eine gewöhnliche Schrift, in einem fremdartigen Stil, der weder erhaben, noch lichtvoll ist, wie dies dem Anschein nach die Schriften der Welt sind.

In dem Wort ist ein bis jetzt unbekannter geistiger Sinn

Kein Mensch, dem unbekannt ist, dass sich ein bestimmter geistiger Sinn im Wort befindet, wie die Seele im Körper, kann über das Wort nach etwas Anderem urteilen als nach dessen Buchstabensinn, während doch dieser wie ein Behältnis ist, das Kostbarkeiten enthält, die sein geistiger Sinn sind. Weiß man also nichts von diesem inneren Sinn, so kann man von der göttlichen Heiligkeit des Wortes nicht anders urteilen als wie von einem Edelstein nach der Mutter, die ihn in sich schließt und zuweilen wie ein gewöhnlicher Stein aussieht .(…) In ähnlicher Weise verhält es sich mit dem Wort nach seinem Buchstabensinn.

Was der geistige Sinn des Wortes ist

Der geistige Sinn ist nicht der, welcher aus dem Buchstabensinn hervorleuchtet, wenn jemand im Wort forscht und es erklärt, um irgendeine Lehrbestimmung der Kirche zu begründen; dieser Sinn kann der buchstäbliche und kirchliche Sinn des Wortes genannt werden. Der geistige Sinn aber erscheint nicht im Buchstabensinn, er ist inwendig in diesem, wie die Seele im Körper, wie der Gedanke des Verstandes in den Augen und wie das Gefühl der Liebe im Angesicht. Dieser Sinn macht es hauptsächlich, dass das Wort geistig ist, nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Engel; weshalb das Wort durch diesen Sinn mit den Himmeln in Verbindung steht.

Das Wort wurde in Entsprechungen geschrieben

Alles und jedes, was in der Natur ist, entspricht geistigen Dingen und ebenso alles und jedes, was im menschlichen Körper ist. Was aber Entsprechung sei, wusste man bisher nicht; in den ältesten Zeiten hingegen war sie vollständig bekannt; denn für die, welche damals lebten, war die Wissenschaft der Entsprechungen die Wissenschaft der Wissenschaften und so allgemein, dass alle ihre Schriften und Bücher in Entsprechungen geschrieben waren. Das Buch Hiob, das ein Buch der Alten Kirche ist, ist voll von Entsprechungen; die Hieroglyphen der Ägypter und auch die Mythen der Urmenschen waren nichts Anderes. Alle alten Kirchen waren Geistiges vorbildende Kirchen; ihre Gebräuche und auch die Satzungen, nach denen ihr Gottesdienst eingerichtet war, bestanden aus lauter Entsprechungen, ebenso alle Dinge der Kirche bei den Kindern Israels: die Brandopfer, die Sühneopfer, die Speis- und Trankopfer mit ihren Einzelheiten waren Entsprechungen;

Außerdem waren auch alle Satzungen und Rechtsverhältnisse, die ihren Gottesdienst und ihr Leben betrafen, Entsprechungen.

Da sich also die göttlichen Dinge in der Welt in Entsprechungen darstellen, so ist auch das Wort in lauter Entsprechungen geschrieben worden; weshalb der Herr, weil Er aus dem Göttlichen sprach, in Entsprechungen sprach; denn was aus dem Göttlichen ist, das endigt in der Natur in Dingen, die den göttlichen Dingen entsprechen und die dann die göttlichen Dinge, welche die himmlischen und geistigen heißen, in ihrem Schoß bergen.

Weil die vorbildlichen Gebräuche der Kirche, die Entsprechungen waren, mit dem Fortgang der Zeit in Götzendienst und auch in Magie verkehrt zu werden anfingen, so ging diese Wissenschaft infolge einer Fügung der göttlichen Vorsehung allmählich verloren und kam bei dem israelitischen und jüdischen Volk gänzlich in Vergessenheit. Zwar bestand der Gottesdienst dieses Volkes aus lauter Entsprechungen und war daher Vorbildung himmlischer Dinge, dennoch aber wussten sie nicht, welche Bedeutung dieses oder jenes hatte; denn sie waren völlig natürliche Menschen und wollten und konnten daher nichts von geistigen und himmlischen Dingen, somit auch nichts von Entsprechungen wissen; denn die Entsprechungen sind Vorbildungen der geistigen und himmlischen Dinge in den natürlichen.

Der buchstäbliche Sinn des Wortes dient den darin verborgenen Wahrheiten zur Wache

Noch ist zu wissen, dass der buchstäbliche Sinn des Wortes dem echten Wahren, das inwendig verborgen liegt, zur Wache dient; und die Wache besteht darin, dass jener Sinn so oder anders gedeutet und nach der Fassungskraft erklärt und doch hierdurch das Innere nicht beschädigt noch verletzt werden kann, denn es schadet nicht, dass der buchstäbliche Sinn des Wortes von dem einen anders als von dem anderen verstanden wird; wohl aber schadet es, wenn das göttlich Wahre, das inwendig verborgen liegt, verkehrt wird; denn dadurch wird dem Wort Gewalt angetan. Darüber, dass dies nicht geschehe, wacht der buchstäbliche Sinn; und er wacht bei denjenigen, die aus Religion im Falschen sind und sich in diesem Falschen nicht bestärken, denn diese tun demselben keine Gewalt an. Diese Wache wird durch die Cherube bezeichnet und auch durch sie im Wort beschrieben.

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